Lose, unregelmäßige Gedanken und Erlebnisse aus meinem Auslandspraktikum in Stockholm

Montag, 28. Juli 2008

28.07. - Mein erster Tag in Stockholm

Abflug 06:50 ab DUS, passenderweise war ab 0 Uhr der Lufthansastreik angekündigt, aber natürlich wußte am Sonntag noch keiner, wie es wird, also Wecker lieber etwas früher gestellt. Wegen der schwülwarmen Nacht gar nicht richtig geschlafen und natürlich deutlich vor dem Wecker wach geworden. Viel zu früh am Flughafen gewesen (05:25), das aufzugebende Gepäck hatte ich wohlweislich schon am Abend zuvor vorbeigebracht, waren nämlich doch 3 Kilo zuviel drin und dann morgens in so einer hektischen Streikatmosphäre noch an einem weiteren Schalter anstellen um 30 EUR für Übergepäck nachzuzahlen, das hätte ich nicht unbedingt gebraucht.

Der Flug geht dann natürlich (wenn man vorher schon soviel rumhampelt und sich "was wäre wenn" Gedanken macht) absolut planmäßig und ebenso logischerweise funktioniert das Einloggen im Hotspot am Flughafen nicht, wo ich mir die Wartezeit mit ein bißchen Surfen vertreiben wollte. Kriege einfach keine IP vom DHCP...:(

Naja, kann man nix machen. An Bord soweit alles super, die nette Dame vom Check-In gestern abend hat mir tatsächlich den Platz am Notausgang gegeben - Beinfreiheit bis zum Gehtnichtmehr. Kurz nachdem wirklich alle sitzen und man sich so langsam fragt, warum's nicht losgeht, kommt ein Typ mit gelber Warnweste und Werkzeugkoffer den Gang langgetapert und verschwindet für 5 Minuten hinten im Flieger. Nachdem er wieder weg ist, geht's dann auch los. Für Leute mit Flugangst sicherlich eine interessante Erfahrung...

Flug mitsamt Landung verläuft problemlos, als ich am Gepäckband ankomme, kommt gerade mein Trolley vorbei, schnapp, ab zum Automaten und ein Ticket für den Arlanda Express gezogen, der auch 7 Minuten später kommt und mich in 20 min bis in die Stockholmer Innenstadt befördert. So schnell war ich noch nie von irgendeinem Flughafen im Stadtzentrum. (Ok, in Tempelhof mag das gehen, aber sonst...)

Der Clou an der Geschichte ist, daß in dem Gebäude, wo der Arlanda Express hält, auch direkt unser Büro ist. Laut Aussage meines Kollegen hier ist es aber außenrum ums Gebäude beim ersten Mal einfacher zu finden, und so war's dann auch. Gegen 10:20 stehe ich also im Büro, und werde von meinem Stockholmer Kollegen am Empfang abgeholt. Der restliche Arbeitstag verläuft recht ruhig (ist ja noch Urlaubszeit hier in Schweden, es arbeitet kaum jemand und auf den Straßen sieht man fast nur Touris). Ist aber für die Einarbeitung nicht schlecht, so kann ich mich in Ruhe in die Dokus einlesen, die meine Kollegen bis jetzt verfasst haben.

Nach dem Büro geht's dann zuerst einmal zu meiner Wohnung. Kollegin fragt, ob sie mitkommen soll, aber das finde ich auch alleine, denke ich mir, zumal ich dank meiner insgesamt (inkl. Duty-Free-Krempel) knapp 40 kg Gepäck sowieso mit dem Taxi fahre. Die Taxifahrerin spricht englisch (wie ich übrigens auch danach noch die ganze Woche über mit keinem Menschen zu tun hatte, der kein Englisch spricht), ist sehr nett und setzt mich mitten vor der Haustür ab. Rein und - Verwirrung! Das ganze Haus wird renoviert, ist komplett eingerüstet und auch von innen zum Schutz mit Bauholzplatten verkleidet. Im Treppenhaus dann noch mehr Verwirrung: die Kollegin sprach vom 5. Stock ohne Aufzug, aber hier ist doch einer? Trotzdem 'mal hochgefahren (vielleicht meinte sie ja auch nur, der sei kaputt, und bei dem uralten Ding - so einer, wie man den aus alten Hitchcockfilmen kennt mit zwei Gittertüren - kann ich mir schon lebhaft vorstellen, daß der häufiger streikt). Oben angekommen paßt der Schlüssel nicht (und auch das, was man von der Wohnung aus dem Fenster im Treppenhaus sehen kann, passt nicht zu den Fotos, die ich schon gesehen habe).

Hm, kein Telefon dabei (meine SIM liegt zuhause), auch sonst niemand da, den man fragen könnte. Testweise - aber mit wenig Hoffnung - auch noch im 4. Stock probiert, aber auch da passt nix.

Also wieder runter. Hinten aus dem Hinterausgang raus, schräg über den Hof und in das nächste Treppenhaus rein. Aha, hier gibt es keinen Aufzug, also wird das wohl richtig sein. Kurz überlegt, ob ich den schweren Koffer erstmal unten lasse und 'mal kurz oben schaue, ob's wirklich richtig ist, aber da sind auch wertvolle Sachen drin und das ist mir unsympatisch. Nach viel Geschnaufe stehe ich am oberen Ende der Treppe an einer Tür ohne Namensschild und auch dort passt keiner meiner Schlüssel. So langsam bin ich echt am ver2feln - da höre ich von irgendwo unten Geklapper. Lasse den Koffer da oben stehen und wetze die Treppe herunter, wo ich eine ziemlich überraschte Frau treffe mit einem Wäschekorb in der Hand. Auch sie spricht glücklicherweise englisch, weiß aber von nichts. Aber sie ruft 'mal ihren Mann an. Ihr Mann weiß auch nix, ruft aber 'mal den Vermieter an. Kurze Zeit später ruft der Mann zurück mit der Nachricht, daß der Vermieter nicht zu erreichen ist - Murphy's Law gilt also auch im Land der Elche. Irgendwann stellt sich raus, daß ich grundsätzlich da oben wohl doch grundsätzlich irgendwie schon richtig war. Aber warum passt der Schlüssel dann nicht? Ich düse nochmal 5 Etagen (und zwar Altbauetagen!) rauf bis zu der Tür am Treppenende und - nein, der Schlüssel passt nicht, der geht gar nicht erst ins Schloss. Ermutigt durch die Versicherung, daß es aber wohl schon hier sein muß, drücke ich die Klinke - und die Tür geht auf! Dahinter dann nochmal 10 Stufen und dann bin ich an meiner Wohnungstür, wo der Schlüssel dann auch passt...da soll einer drauf kommen...aufgrund dieser zeitraubenden Aktion verbleiben mir bis zum Treffen mit meinen Arbeitskollegen nunmehr nur noch 30 Minuten für Kofferauspacken, Duschen, Anziehen und 10min Fußweg bis zum Treffpunkt - also alles hopphopphopp. Der Abend endet bei einem Italiener, der eher in die Rubrik "Touristenfalle" fällt. Alles nicht ganz schlecht, aber eben auch nicht so richtig gut. "Zuhause" dann noch ein wenig Kofferauspacken und Sachen einsortieren, bis ich so gegen 01:00 Uhr - nach knapp 3 Stunden Schlaf in der Nacht zuvor - beschließe, das es jetzt doch 'mal Zeit fürs Matratzenhorchen ist.

1 Kommentar:

Nadine hat gesagt…

Hallo Sascha,
na das ist ja mal ein aufregendes Erlebnis, wenn man "gerade" erst angekommen ist. Die "Aha"-Erfahrung durften wir hier in Schweden auch schon mal das eine oder andere Mal erleben. Man lernt halt nie aus.
Bin gespannt auf deine anderen Einträge.
Grüße Nadine